Hundebegegnung

Hundebegegnung – Hey Kumpel – pöbeln oder spielen

Denk immer daran, wenn du eine Hundebegegnung hast, ein Hund kann nicht wie wir Menschen einfach zu Freunden gehen. Er ist darauf angewiesen, dass sein Mensch ihm soziale Kontakte zu Artgenossen ermöglicht. Je früher das beginnt, desto leichter wird er sich an andere Hunde gewöhnen und lernen, mit ihnen klar zu kommen. 

Von seinem Hund zu erwarten, dass er alle anderen seiner Art sympathisch finden muss, ist etwas hoch gegriffen. Wir Menschen mögen auch nicht jeden. Doch die wenigsten von uns rennen schreiend auf andere zu, wenn diese ihnen suspekt sind. Dein Hund sollte lernen, dass freundliche Ignoranz auch ein Weg ist, an pöbelnden Zeitgenossen vorbei zu kommen.

Früh übt sich

Die Welpengruppe oder auch private Hundetreffs sind wirklich unbezahlbar, wenn es darum geht, dass Hunde den Umgang miteinander lernen. Wenn du dann noch die Kommunikation erlaubst und wirklich nur eingreifst, wenn es gefährlich zu werden scheint oder dein Hund dermaßen bedrängt wird, dass ein Eingreifen nötig ist, dann lernt dein Hund das Sozialverhalten fast von alleine. 

Gut organisierte Spieltreffs für Hunde, die einen Leiter haben, der sich auskennt, ermöglichen deinem Vierbeiner unglaubliche Erfahrungen mit anderen Hunden. Rennspiele, Fangen oder auch kleine Kämpfe, die nicht von Aggressionen geprägt sind, bringen einem Welpen sehr viele positive Eindrücke, die ihm helfen, auch abseits der Spielwiese ohne Probleme mit Artgenossen klar zu kommen. 

Dabei muss man die Hunde auch mal lassen, wenn es knurrt und garstig klingt. Solange die Hunde dies so regeln, dass immer mal ein anderer Racker die Oberhand hat, ist es Spiel. Als Mensch zu sehr die Hand über seinen Liebling zu halten, verhindert, dass er die Signale der anderen Hunde deuten lernt und die Hundesprache in Perfektion lernt. 

Annäherungsversuche – so soll es aussehen

Hunde sollten bei Hundebegegnungen anfangs eine gewisse Distanz einhalten, um die Lage zu checken. Ist der andere freundlich? Wirkt der schon von weitem brubbelig? Wollen wir uns näher kommen und beschnuppern? Hundebegegnungen sind von Fall zu Fall zu unterscheiden.

Die Entscheidung dafür oder dagegen, treffen allerdings immer die Menschen. Signalisiert der andere Halter, dass er kein Beschnuppern wünscht, dann musst du das akzeptieren und dafür sorgen, dass dein Hund dem anderen auch nicht zu nah kommt. Es schadet übrigens auch nicht, deinen Hund früh daran zu gewöhnen, dass er nicht bei jedem Artgenossen stehen bleiben kann. Irgendwann hast du mal Zeitdruck und spätestens dann, wirst du dir selber danken, wenn dein Hund anstandslos an anderen vorbei geht. 

Ist ein Beschnuppern erlaubt und gewünscht, dann kommen sich die Tiere näher und beschnüffeln sich seitlich. Das Gesicht und die Kopfhaltung sind freundlich und zugewandt. Nimmt der andere Hund eine abwehrende Haltung ein, dreht sich weg, wird starr oder setzt eine Drohmimik auf, dann möchte er den Kontakt nicht. Das ist zu akzeptieren und auch nicht persönlich zu nehmen. Es kann sogar sein, dass Hunde die sich kennen, einmal so aufeinander zu gehen. Der Grund für Ablehnung kann vielseitig sein und beim nächsten Treffen ist alles wie immer.

Der freundliche Hund

Jeder Hund ist individuell – auch deiner. Daher sind auch die Verhaltensweisen bei der Begrüßung oder im Spiel bei jedem Hund anders. 

Die freundliche Begrüßung ist von einer Annäherung geprägt, bei denen die Hunden einen Bogen laufen und sich mit vielen kurvenreichen Bewegungen im Körper annähern. Die Geschwindigkeit wird gedrosselt, bevor sie aufeinander treffen. Dann wird sich meistens gegenseitig die Nase am Schalter fürs Stoffwechselendprodukt (Hintern) gehalten. Die Entscheidung ob jetzt noch ein wenig rumgewuselt, etwas gespielt wird oder jeder weiter seines Weges zieht, fällt in der Regel nach diesem Geruchstest. 

Der garstige Zeitgenosse würde beim Anblick eines anderen Hundes in eine starre Platzposition fallen, warten bis der andere näher kommt und dann frontal auf ihn zuschießen und dabei Drohgebärden machen. Klar, dass der andere keine Lust hat, seine Nase in Richtung Hintern zu bewegen, hier hat er auch ohne den Duft erkannt, dass er mit diesem Zeitgenossen nichts zu tun haben will. Hier musst du  deinem bedrohten Hund evtl. helfen, wenn dein Vierbeiner in Bedrängnis gerät und notfalls einschreiten. 

Die Stimmung deines Hundes kann während des Spielens auch mal kippen. So können spaßige Rennrunden oder Jagdspiele in Aggression umkippen. Das kommt einem Mobbing gleich und erfordert das Eingreifen der Menschen. Manchmal findet ein Tier Freude daran, einen anderen Hund zu unterdrücken, manchmal ist es aber auch reine Notwehr, wenn einer von beiden keine Lust mehr hat, der andere aber keine Ruhe gibt. Das kennen wir Menschen auch, dass sich da Aggressionen aufbauen.

Gibt es bei der Hundebegegnung problematische Hunde?

Nein. Denn das Problem ist immer am anderen Ende der Leine und hat zwei Beine. Nur leider sind es die Hunde, die dann als problematisch gelten. Zum Teil sogar bei ihren Haltern selbst. Erkennbar sind die Hunde tatsächlich. Meist befinden sie sich in einer instabilen Rangfolge, zerren wahnsinnig an der Leine und markieren jeden Grashalm. Sie wirken aufdringlich und lassen einem Artgenossen entweder keinen Raum oder der Mensch muss sie mit großem Kraftaufwand an der Leine halten, damit sie nicht auf andere Hunde zustürmen.

Diesen Hunden kann kein Vorwurf gemacht werden. Ihnen wurde nicht klar gemacht, wer die Regeln aufstellt und ihnen wird zu viel Freiraum gelassen. Oft sind es die Konstellationen, die den Eindruck vermitteln, dass der Hund mit dem Herrchen geht und nicht umgekehrt. 

Dem Vierbeiner wird kein Gefallen getan damit, dieses Verhalten hinzunehmen oder ihn dauerhaft an der Leine zerren zu lassen. Der Halter muss sich eingestehen, hier versagt zu haben und sollte sich an einen Trainer wenden, der hilft, den Hund zu sozialisieren. Dann können Hund und Halter das Leben und die Spaziergänge auch wieder genießen.

Keinen Kontakt aufzwingen

Dein Hund darf auf jeden Fall seinen eigenen Kopf haben. Eine Meinung wie wir Menschen sagen würden. Daher sollte er weder zu Interaktionen mit Menschen noch mit anderen Tieren gezwungen werden. Auch Ablehnung ist eine Form von Sozialverhalten, die dem Hund zugestanden werden muss. 

Die Hundebegegnung sollte am Besten ohne Leine stattfinden. Angeleinte Hunde verheddern sich sowieso, wenn sie umeinander herum wuseln. Wenn sich das nicht einrichten lässt, dann sind die Halter als Houdinis gefragt. Ohne Leine würden beide ihre Signale aussenden und der jeweils andere darauf reagieren. Kumpel oder Pöbler – das wird dann schnell erkannt. Ein Eingreifen ist nur dann erforderlich, wenn eines der Tiere die Hundesprache nicht beherrscht, weil er nicht das Glück hatte, gut sozialisiert zu werden. Doch bevor du die Hunde frei laufen lassen solltest, gehe erst ein paar Schritte gemeinsam mit deinem Freund. Erst wenn beide Hunde ruhig und entspannt sind, lasse sie frei. Denn dadurch erkennt dein Hund, dass der andere Hund auch in dem gleichen Rudel ist.

Übrigens hat es das Schicksal scheinbar so eingerichtet, dass zu schlecht sozialisierten Hunden immer Halter gehören, die alles besser wissen und richtig machen und dies nur ungern für sich behalten. In der Regel rettet der Halter mit dem sozialisierten Hund die Situation, indem er sich und seinen Hund daraus entfernt. Auf jeden Fall kann so mancher Halter sehr gut nachempfinden, wie sein Hund sich gerade gefühlt haben muss, wenn er so ein Treffen hinter sich gebracht hat.

Ist Sozialverhalten trainierbar?

Ja, das ist es. In der Hundeerziehung legt der Halter großen Wert auf einen gewaltfreien und artgerechten Ansatz in der Hundeerziehung. Dazu gehört, dass so früh wie möglich Kontakte zu anderen Hunden ermöglicht werden, um dem Hund die Chance zu geben, seine Kommunikation zu perfektionieren und die der anderen Hunde verstehen zu lernen. Die Lernerfahrungen schärfen seine Kommunikationsfähigkeit enorm und legen den Grundstein für eine erfolgreiche Kommunikation auch mit seinem Menschen. 

Trotzdem sollen Kontakte wohl dosiert und dem Hund entsprechend stattfinden. Sehr große Gruppen, tägliche Treffen sind für den einen Hund ein Fest, andere  Hunde kommen damit nicht klar. Das hängt vom Wesen, aber auch von der Gesundheit ab. Überforderung soll auf jeden Fall vermieden werden. 

Es ist total spannend, die Entwicklung eines Welpen zu beobachten. Kommt er neu in die Gruppe ist er in der Regel einer der jüngsten und muss erst alles kennenlernen und vielleicht hält er sich sehr zurück. Nach ein paar Wochen gehört er zu den älteren der Gruppe und legt den Kleinen gegenüber vielleicht auch mal ein rüpelhaftes Verhalten an den Tag. Hier muss der Mensch die Souveränität einsetzen, die im Rudel ein älterer Hund nutzen würde, um jungen Rüpeln zu zeigen, wo die Grenzen sind. 

Die Halter sollten nicht am Rand stehen und schwatzen, sondern ihren Hund da bestärken, wo er sich richtig gut benimmt und den Kontakt toll gestaltet. So weiß er, was gewünschtes Verhalten ist und wird vom Lob angespornt, dies zu verstärken. 

Konflikte sind in der Welpengruppe durchaus häufig. Das muss ein Hund auch mal aushalten können. Doch zu starke Rangeleien, sollten durch Unterbrechung beendet werden.

Haltertipps für die totale Eskalation in der Hundebegegnung

Wirklich böse Attacken gibt es glücklicherweise nicht sehr häufig, weil die Hunde eigentlich nicht gern kämpfen. Droht dennoch einmal eine Eskalation heißt es: Ruhe bewahren! Schreien, Schimpfen, schrille Rufe heizen die Situation nur weiter an. 

Aggressives Verhalten unterlassen. Also keine Leinen oder Schlüssel werfen und schon gar nicht schlagen oder treten. 

Wichtig ist, dass der Stresser möglichst aus der Situation genommen wird und nicht der Hund, der bedrängt wird. 

Einige Halter üben mit ihren Hunden ein sogenanntes Entspannungssignal. Wenn der aggressive Artgenosse dies kennt, kann der Halter versuchen, dies einzusetzen. Ansonsten bringt es vielleicht etwas, wenn die Bezugspersonen sich von den Hunden entfernen und versuchen ihre Hunde abzurufen. 

Ist Ärger im Vorfeld erkennbar, so sollten beide Hunde zurück gerufen werden. Ob später noch ein Zusammenführungsversuch unternommen wird, muss individuell entschieden werden. Wenn der bedrängte Hund sich entziehen möchte, sollte er nicht gezwungen werden. 

Hunde, die häufiger eskalieren, sollten nicht frei herumlaufen. Es ist zwar traurig, die Hunde für die Fehler der Halter zu bestrafen. Aber die Sicherheit anderer Hunde und Halter geht vor.

Einfach ruhig weitergehen – leichter gesagt, als getan

Im Rudel ist Ignoranz eine schlimme Strafe für die Tiere in der unteren Rangordnung. Wenn du sauer auf deinen Liebling warst und ihn mal eine Weile nicht beachtet hast, hast du vielleicht auch schon mal erlebt, dass der Hund von sich aus wieder  ankommt und regelrecht um Kontaktaufnahme bettelt. 

Wenn es dir gelingt, deinem Hund zu zeigen, dass er pöbelnde und drohende Zeitgenossen am besten ignoriert und ihn darin bestärkst, ruhig und gelassen an anderen Hunden vorbei zu ziehen, dann wird von seiner Seite aus, die Hundebegegnung eher unproblematisch ablaufen. Als guter Halter und Hundefreund, tut dir der andere Hund natürlich leid. Und richtige Freude kommt selten auf, wenn der andere Hund sich immer mehr aufregt, der eigene Liebling aber komplett abblitzen lässt. Das Problem muss jedoch der Halter des anderen Hundes lösen.

Hundeführerprüfungen verpflichtend einführen?

In einigen Bundesländern gibt es schon die Pflicht, den Hundeführerschein nachweisen zu müssen. Niedersachsens Halter sollen dies rasseunabhängig tun, in anderen Bundesländern gilt die Pflicht nur für Halter von sogenannten Listenhunden. 

Vielleicht ist dir auch schon einmal aufgefallen, dass es sehr oft die ganz kleinen Hunde sind, denen die Manieren fehlen. Das erklärt sich daraus, dass Halter zum Einen denken, dass diese kleinen Hunde ja keinen großen Schaden anrichten können und eine Hundeschule daher nicht brauchen und zum anderen haben die Halter dieser Minihunde auch Angst, dass größere Hunde ihren Schätzen etwas antun könnten oder sie beim Toben mit größeren Hunden Spiel verletzt werden. Entweder unterlassen sie daher, Hundebegegnungen für ihren Welpen zu organisieren oder sie nutzen ihre Methoden in der Hundeerziehung, die vielfältig gut gemeint sind, aber leider gegenteilige Ergebnisse erzielen. 

Deshalb wäre grundsätzlich ein Kurs für Hundehalter sehr begrüßenswert. Einigen Tieren bliebe vielleicht ein Leben ohne Aufmerksamkeit und artgerechte Beschäftigung erspart, weil Halter sich vor diesem Kurs fürchten und gar nicht erst einen Hund anschaffen. Und andere Hunde profitieren davon, weil die Halter lernen, wie Hundeerziehung funktionieren kann und vielleicht auch so viel Spaß daran finden, dass sie ihren Hund immer weiter fördern.

Fazit

Hundebegegnungen sind immer aufregend für deinen Hund. Deshalb ist es wichtig, dass er lernt, wie Hunde untereinander kommunizieren. Auch du als Halter solltest die Signale kennen, die ein Hund mimisch und gestisch aussendet.